Fluchtwege in Hallen clever planen: Mehr Sicherheit durch durchdachte Wegeführung
Flucht- und Rettungswege sind in Hallen nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern ein entscheidender Faktor für den Schutz von Mitarbeitenden, Besuchern und Einsatzkräften. Gerade in Produktions-, Logistik- oder Veranstaltungshallen verändern sich Layouts, Lagerflächen und Verkehrswege häufig – was die Wegeführung schnell unübersichtlich macht. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Fluchtwege in Hallen planen, Risiken systematisch reduzieren und mit klarer Markierung, passenden Türen, Beleuchtung und Organisation ein Sicherheitsniveau erreichen, das in Deutschland und Österreich gleichermaßen überzeugt.

Warum eine clevere Fluchtwegeplanung in Hallen entscheidend ist

Hallen sind besondere Gebäude: große Grundflächen, lange Wege, hohe Brandlasten (z. B. Verpackungen, Paletten, Kunststoffe), starke Rauchentwicklung im Brandfall und oft komplexe Verkehrsströme mit Staplern, Routenzügen oder Lkw. Gleichzeitig ändern sich Nutzungen dynamisch – heute Blocklager, morgen Kommissionierfläche; heute Fertigungsinsel, morgen neue Maschine. Eine durchdachte Wegeführung sorgt dafür, dass Menschen im Ernstfall schnell, eindeutig und ohne gefährliche Kreuzungen oder Engstellen ins Freie oder in sichere Bereiche gelangen.

Eine gute Planung ist mehr als „Pfeile an die Wand“. Sie umfasst die bauliche Auslegung (z. B. Breiten, Türanschläge, Treppenräume), die technische Ausstattung (Beleuchtung, Sicherheitsstromversorgung, Brandmelde-/Alarmierung) und die organisatorische Umsetzung (Unterweisung, Freihalten, Kontrolle). Für Unternehmen in Deutschland und Österreich gilt dabei: Wer strukturiert plant und dokumentiert, reduziert Haftungsrisiken, erfüllt behördliche Anforderungen und steigert die betriebliche Resilienz.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland und Österreich: Was zählt wirklich?

Die konkreten Vorgaben hängen vom Gebäudetyp, der Nutzung (Industrie, Logistik, Event), der Personenzahl und den landesrechtlichen Anforderungen ab. Dennoch lassen sich zentrale Leitplanken benennen, an denen sich die Planung orientieren sollte – inklusive der Frage, wann Sachverständige einzubinden sind.

Deutschland: Arbeitsstätten, Bauordnungsrecht und technische Regeln

In Deutschland greifen typischerweise mehrere Ebenen:

  • Arbeitsstättenrecht (u. a. ArbStättV) für Arbeitsstätten – relevant für viele Produktions- und Logistikhallen.
  • Technische Regeln (z. B. ASR) als anerkannter Stand der Technik für die praktische Umsetzung (Beschilderung, Beleuchtung, Fluchtwegbreiten etc.).
  • Bauordnungsrecht der Länder (z. B. Landesbauordnungen) sowie Sonderbauvorschriften, wenn es um große Hallen, Versammlungsstätten oder besondere Brandlasten geht.
  • DIN-/EN-Normen für Sicherheitskennzeichnung, Notbeleuchtung, Türen, Brandschutztechnik etc.

Wichtig: In der Praxis entstehen Anforderungen oft aus dem Zusammenspiel von Genehmigungsbescheid, Brandschutzkonzept, Gefährdungsbeurteilung und der tatsächlichen Nutzung. Wer seine Hallenflächen regelmäßig umstellt, sollte prüfen, ob die ursprüngliche Planung noch zur Realität passt.

Österreich: Arbeitsstättenverordnung, OIB-Richtlinien und Landesrecht

In Österreich sind ebenfalls mehrere Quellen maßgeblich:

  • Arbeitsstättenverordnung (AStV) für Arbeitsplätze und betriebliche Gebäude.
  • OIB-Richtlinien (Österreichisches Institut für Bautechnik) als zentrale Grundlage im Bauwesen, umgesetzt über Landesrecht.
  • Landesbauordnungen und spezifische Auflagen aus dem Genehmigungsverfahren.
  • ÖNORMEN und europäische Normen für Kennzeichnung, Beleuchtung, Brandschutz- und Gebäudetechnik.

Für Betriebe mit Standorten in Deutschland und Österreich empfiehlt sich ein harmonisiertes internes Sicherheitskonzept: einheitliche Standards bei Markierung, Unterweisung und Auditprozessen – ergänzt um lokale Anpassungen je Standort.

Grundprinzipien: So entsteht eine sichere Wegeführung statt „Markierungs-Flickwerk“

Bevor Sie Details wie Schilder oder Türtechnik festlegen, sollten Sie die Flucht- und Rettungswege als System verstehen. Ziel ist eine Wegeführung, die im Stress, bei eingeschränkter Sicht und bei hoher Personendichte zuverlässig funktioniert.

1) Eindeutigkeit und Intuition

Menschen fliehen meist in Richtung vertrauter Wege – häufig entlang der Wege, die sie täglich nutzen. Eine clevere Planung nutzt dieses Verhalten: Hauptverkehrswege können zugleich „führende“ Fluchtwegachsen sein, sofern sie im Notfall frei von Hindernissen bleiben und nicht durch gefährliche Bereiche führen.

  • Klare Linienführung ohne unnötige Richtungswechsel
  • Visuelle Führung durch Markierungen, Piktogramme, Beleuchtung
  • Konsequente Logik: gleiche Symbole, gleiche Farbwelten, gleiche Wiederholungsabstände

2) Redundanz: Alternativen statt Einbahnstraße

Ein einziger Fluchtweg kann durch Rauch, Feuer oder einen Unfall blockiert sein. Gute Konzepte setzen daher auf alternative Routen und eine räumliche Trennung, wo sinnvoll. Redundanz bedeutet nicht automatisch doppelte Kosten – oft lässt sich durch geschickte Zonierung oder zusätzliche Türpositionen eine robuste Lösung erreichen.

3) Freihalten und Durchgängigkeit als Betriebspflicht

Die beste Planung scheitert, wenn Fluchtwege zugestellt werden. Typische Ursachen in Hallen:

  • temporäre Lagerung (Paletten, Kartons, Retouren)
  • abgestellte Flurförderzeuge oder Ladungsträger
  • Bau- oder Wartungsmaßnahmen ohne Umleitungsplanung
  • „nur kurz“-Abstellen in Engstellen

Die Lösung liegt in klaren Zonen (Lager vs. Verkehrsfläche), visueller Abgrenzung, regelmäßigen Kontrollen und einem System, das Abweichungen schnell sichtbar macht.

Schritt-für-Schritt: Fluchtwege in Hallen planen – von der Analyse bis zur Umsetzung

Wer Fluchtwege in Hallen planen will, sollte strukturiert vorgehen. Das folgende Vorgehensmodell ist in der Praxis bewährt und lässt sich sowohl für Neubauten als auch für Bestandsoptimierungen einsetzen.

Schritt 1: Nutzung, Personenzahlen und Szenarien erfassen

Starten Sie mit einer sauberen Datengrundlage. Relevante Fragen:

  • Wie viele Personen sind gleichzeitig in der Halle (Tagschicht, Nachtschicht, Spitzenlast, Besuchergruppen)?
  • Welche Personengruppen sind vor Ort (Mitarbeitende, Fremdfirmen, Lkw-Fahrer, Kunden, Eventpublikum)?
  • Welche Einschränkungen gibt es (z. B. ortsunkundige Personen, sprachliche Barrieren, eingeschränkte Mobilität)?
  • Welche Brand- und Rauchrisiken bestehen (Lagergüter, Batterieladestationen, Lacke, Lösungsmittel, Maschinen)?

Gerade in Deutschland und Österreich sind Fremdfirmen häufige Nutzer von Industriehallen. Für sie sind klare, leicht verständliche Hinweise und eine robuste Wegeführung essenziell.

Schritt 2: Bestandsaufnahme der Fluchtweg-Infrastruktur

Prüfen Sie den Status quo – nicht nur auf dem Plan, sondern vor Ort:

  • Positionen von Ausgängen und Notausgängen
  • Türfunktionen (Panikfunktion, Öffnungsrichtung, Verriegelung)
  • Treppenräume, Schleusen, Brandabschnitte
  • Notbeleuchtung, Sicherheitskennzeichnung, Stromversorgung
  • Brandschutzeinrichtungen (z. B. RWA, BMA, Feuerlöscher, Hydranten)

Praxis-Tipp: Machen Sie einen „Fluchtweg-Check“ zu unterschiedlichen Zeiten (Schichtwechsel, Hochbetrieb, Wareneingang). In Hallen sieht die Realität um 10:30 Uhr oft anders aus als bei einem Rundgang am frühen Morgen.

Schritt 3: Wegeführung modellieren – Hauptachsen, Nebenwege, Sammelpunkte

Nun definieren Sie eine klare Struktur:

  • Primäre Fluchtwegachsen: breit, gut markiert, möglichst gradlinig
  • Sekundäre Wege: aus Nebenbereichen, Zellen, Büros, Technikräumen
  • Übergänge: z. B. durch Brandabschnitte, Schleusen oder Flure
  • Sammelstellen im Außenbereich, sinnvoll gelegen und erreichbar

In Logistikhallen ist es häufig hilfreich, Fluchtwege so zu führen, dass sie nicht dauerhaft Staplerkorridore kreuzen. Wo Kreuzungen unvermeidbar sind, braucht es zusätzliche Maßnahmen (siehe unten).

Schritt 4: Engstellen und Konfliktpunkte identifizieren

Konflikte entstehen dort, wo Fluchtbewegung auf Betriebsvorgänge trifft. Typische Konfliktpunkte:

  • Kreuzungen von Fluchtwegen mit Staplerverkehr
  • Tore, die im Alltag offen stehen, im Brandfall aber schließen
  • Kommissionierbereiche mit viel Material im Zugriff
  • Ladezonen (Rampen), an denen Außen- und Innenverkehr zusammentreffen
  • Zwischenlager in „grauen Zonen“ neben Verkehrsflächen

Bewerten Sie diese Punkte in Bezug auf Sicht, Durchgangsbreiten, Stauwahrscheinlichkeit und Rauchbeaufschlagung. Daraus leiten sich Prioritäten ab.

Schritt 5: Maßnahmenpaket festlegen (baulich, technisch, organisatorisch)

Eine belastbare Planung kombiniert Maßnahmen:

  • Baulich: zusätzliche Ausgänge, Türbreiten, Trennwände, Brandabschnitte, raucharme Flure
  • Technisch: Notbeleuchtung, optisch-akustische Alarmierung, RWA, Türtechnik, Sicherheitsstrom
  • Organisatorisch: Freihaltekonzept, Unterweisung, Kennzeichnungskonzept, Audit und Instandhaltung

So entsteht nicht nur Compliance, sondern funktionierende Sicherheit im Alltag.

Wichtige Planungsfelder im Detail

Im Folgenden finden Sie die zentralen Stellhebel, die in Hallenprojekten in Deutschland und Österreich besonders häufig über Erfolg oder Risiko entscheiden.

Fluchtwegbreiten, Durchgänge und Kapazität: Stau vermeiden

Ein häufiger Fehler ist, nur „irgendwie“ einen Fluchtweg einzuzeichnen, ohne die Kapazität zu berücksichtigen. In großen Hallen kann eine zu geringe Breite zu Staus führen – besonders, wenn mehrere Bereiche auf denselben Ausgang zulaufen. Planen Sie so, dass die erwartete Personenzahl auch bei Stress und reduzierter Gehgeschwindigkeit zügig abfließen kann.

Empfehlung: Denken Sie in „Strömen“: Wo sammeln sich Menschen? Wo entstehen Trichter? Welche Türen oder Durchgänge sind potenzielle Nadelöhre?

Notausgänge, Türen und Panikbeschläge: Wenn Sekunden zählen

Türen sind im Ernstfall oft die kritischsten Elemente. Achten Sie auf:

  • Öffnungsrichtung in Fluchtrichtung, wo erforderlich
  • Panikfunktion für Bereiche mit Publikumsverkehr oder vielen ortsunkundigen Personen
  • Zutrittskontrolle: Sicherheit gegen unbefugtes Betreten darf die Flucht nicht behindern
  • Kennzeichnung der Notausgänge auch bei geöffneter Toranlage oder wechselnden Sichtachsen

In Industriehallen sind zudem große Tore (Sektionaltore, Rolltore) verbreitet. Diese sind nicht automatisch geeignete Fluchtwegtüren. Häufig braucht es separate Personentüren oder integrierte Schlupftüren – mit sicherer Funktion im Alarmfall.

Rauch ist der Hauptgegner: Rauchausbreitung und Sichtbedingungen

Statistisch ist Rauch im Brandfall oft gefährlicher als die Flammen. Er reduziert Sicht, verursacht Orientierungslosigkeit und führt zu toxischer Belastung. Eine kluge Fluchtwegeplanung berücksichtigt daher:

  • Rauchabschnitte und Brandabschnitte
  • Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) bzw. Entrauchungskonzepte
  • Rauchdichte Bereiche (z. B. Kunststofflager, Verpackungszonen)
  • Rauchfreie Bereiche oder geschützte Flure/Treppenräume, sofern vorhanden

Je nach Hallentyp kann es sinnvoll sein, Fluchtwege nicht entlang der größten Brandlasten zu führen, selbst wenn das im Alltag „praktischer“ wirkt.

Notbeleuchtung und Sicherheitskennzeichnung: Führung auch bei Stromausfall

Bei Stromausfall, Rauch oder hoher Geräuschkulisse müssen Fluchtwege weiterhin erkennbar sein. Planen Sie:

  • Sicherheitsbeleuchtung entlang der Fluchtwege, an Richtungsänderungen und an Ausgängen
  • Rettungszeichen in korrekter Größe und Sichtweite
  • Antipanikbeleuchtung in größeren offenen Bereichen, wenn erforderlich
  • Wartung und Prüfintervalle (Dokumentation!)

In hohen Hallen mit Regalanlagen kann die Sicht auf Deckenkennzeichnung eingeschränkt sein. Hier helfen ergänzende Lösungen wie niedrige Leitmarkierungen oder eine Kombination aus Decken- und Wandkennzeichnung.

Bodenmarkierung, Leitsysteme und Farbkonzepte: Praxisnah für Logistik und Produktion

In der Halle ist der Boden oft der wichtigste Kommunikationskanal. Ein gutes Markierungskonzept:

  • trennt Fußgängerwege und Fahrwege klar
  • definiert Sperrflächen vor Notausgängen, Feuerlöscheinrichtungen, Elektroverteilungen
  • kennzeichnet Kreuzungsbereiche besonders auffällig
  • bleibt auch bei Abrieb, Staub und Reinigungsprozessen lesbar

Bewährt sind robuste Systeme (z. B. 2K-Markierungen, Industrieklebebänder in hoher Qualität, eingelassene Markierungselemente) – abhängig von Untergrund, Reinigungschemie und Staplerlasten.

Schnittstellen mit Staplerverkehr: Fluchtwege ohne Kollisionsrisiko

Ein typisches Hallenproblem: Der schnellste Fluchtweg verläuft quer durch einen Staplerkorridor. Wenn Menschen im Alarmfall plötzlich in diesen Bereich strömen, steigt das Unfallrisiko. Maßnahmen:

  • Physische Trennung (Geländer, Rammschutz, Leitschwellen)
  • Gesicherte Querungen mit Sichtdreiecken und Warnsignalen
  • Geschwindigkeitsmanagement und klare Vorfahrtsregeln
  • Alarmfall-Logik: definieren, wie Fahrzeuge im Alarm reagieren (anhalten, Motor aus, Schlüssel abziehen)

Gerade in Österreich und Deutschland achten Behörden und Berufsgenossenschaften/Unfallversicherungsträger stark darauf, dass Fußgänger und Fahrzeuge nicht unkontrolliert gemischt werden.

Temporäre Änderungen: Umbauten, Saisonspitzen, Events und Fremdfirmen

Viele Hallen haben Phasen mit hoher Veränderung: Umbau einer Linie, saisonale Einlagerung, Zusatzschichten oder interne Veranstaltungen. Dann müssen Fluchtwege trotzdem funktionieren.

  • Change-Management: Jede Layoutänderung prüft automatisch Fluchtwege, Beschilderung und Freihaltezonen.
  • Temporäre Umleitungen: klar markiert, dokumentiert und unterwiesen.
  • Fremdfirmensteuerung: Einweisung, Lageplan, Sammelstelle, Ansprechpartner.

Wer Fluchtwege in Hallen planen und langfristig sicher betreiben will, braucht nicht nur ein Anfangskonzept, sondern ein System für Veränderungen.

Typische Fehler in der Praxis – und wie Sie sie vermeiden

Viele Mängel entstehen nicht aus fehlendem Willen, sondern aus Alltagsträgheit, Zeitdruck oder unklaren Zuständigkeiten. Die häufigsten Fehler:

  • Notausgänge zugestellt (Paletten, Abfall, Retouren)
  • Fluchtwegtüren verriegelt oder mit provisorischen Lösungen blockiert
  • Beschilderung verdeckt (Regale, Banner, Stapelware)
  • Uneinheitliche Markierungslogik über die Zeit („historisch gewachsen“)
  • Keine regelmäßigen Begehungen oder fehlende Dokumentation
  • Layoutänderungen ohne Sicherheitscheck

Ein wirksames Gegenmittel ist ein kurzer, standardisierter Hallen-Fluchtweg-Check (z. B. wöchentlich durch Führungskräfte, monatlich durch HSE/Fachkraft für Arbeitssicherheit) – mit klaren Fotobelegen und Verantwortlichkeiten.

Best Practices: So wird die Wegeführung „clever“ – auch bei komplexen Hallen

Clever heißt: Sicherheit wird so in den Betrieb integriert, dass sie robust, verständlich und wartbar ist. Die folgenden Ansätze funktionieren besonders gut.

Zonierung: Halle in verständliche Bereiche gliedern

Teilen Sie die Halle in Zonen (z. B. Wareneingang, Lager, Produktion, Versand). Pro Zone definieren Sie:

  • primäre Fluchtwege und Ausgänge
  • zuständige Führungskräfte
  • Sammelstellenlogik (wer geht wohin?)
  • kritische Anlagen (Batterieladung, Gefahrstoffschrank etc.)

Diese Zonierung erleichtert Unterweisungen – besonders bei hoher Fluktuation oder vielen Leiharbeitenden.

„Keep Clear“-Flächen vor Notausgängen und Technik

Markieren Sie Sperrflächen konsequent und in ausreichender Größe. Ergänzen Sie die Bodenmarkierung mit klaren Hinweisen:

  • „Notausgang freihalten“
  • „Feuerlöscher/Hydrant freihalten“
  • „Elektroverteilung freihalten“

Wichtig ist die betriebliche Durchsetzung: Sperrfläche heißt Sperrfläche – ohne „Ausnahme für 10 Minuten“.

Mehrsprachigkeit und Piktogramme: DACH-tauglich kommunizieren

In vielen Betrieben in Deutschland und Österreich arbeiten internationale Teams. Setzen Sie daher auf:

  • normgerechte Piktogramme statt textlastiger Schilder
  • ergänzende kurze Hinweise in relevanten Sprachen, wo nötig
  • Unterweisungen mit visuellen Lageplänen und einfachen Regeln

So wird die Fluchtwegeführung auch für ortsunkundige Personen schnell erfassbar.

Sammelstellen und Evakuierungsorganisation

Die Planung endet nicht an der Tür. Draußen brauchen Sie Struktur:

  • Sammelstelle(n) mit ausreichender Kapazität
  • klare Wege dorthin (auch bei schlechtem Wetter, Dunkelheit)
  • Regeln für Vollzähligkeit (z. B. über Bereichslisten)
  • Rolle von Evakuierungshelfern/Brandschutzhelfern

In der Praxis bewährt sich eine Sammelstelle, die nicht im Lkw-Rangierbereich liegt und auch bei Winterbedingungen in Österreich sicher erreichbar bleibt (Stichwort: Räum- und Streupflicht).

Planungs-Checkliste: Was Sie für ein belastbares Konzept dokumentieren sollten

Dokumentation ist kein Selbstzweck: Sie ermöglicht Kontinuität bei Personalwechsel, schafft Klarheit gegenüber Behörden und erleichtert Audits. Eine kompakte Checkliste:

  • Aktueller Hallenplan mit Flucht- und Rettungswegen, Ausgängen, Sammelstellen
  • Begründung der Wegeführung (z. B. Personenzahlen, Zonen, Alternativen)
  • Verzeichnis der Notausgänge inkl. Türfunktion und Prüfstatus
  • Konzept zur Freihaltung (Zuständigkeiten, Kontrollen, Eskalation)
  • Markierungs- und Beschilderungskonzept (Farblogik, Materialien, Standardbreiten)
  • Wartungs- und Prüfplan für Notbeleuchtung, Türtechnik, Alarmierung
  • Unterweisungsunterlagen und Nachweise
  • Prozess für Layoutänderungen (Sicherheitsfreigabe)

Praxisbeispiel: Optimierung einer Logistikhalle (typische DACH-Situation)

Eine mittelgroße Logistikhalle mit Wareneingang, Blocklager und Versand hatte wiederkehrende Probleme: Notausgänge wurden durch Paletten verstellt, die Bodenmarkierung war uneinheitlich, und ein zentraler Fluchtweg kreuzte den Hauptstaplerkorridor. Nach einer strukturierten Analyse wurde Folgendes umgesetzt:

  • Neudefinition der Fluchtwegachsen entlang einer Randzone, um Staplerverkehr zu minimieren
  • Physische Trennung in kritischen Abschnitten durch Geländer und Rammschutz
  • „Keep Clear“-Sperrflächen vor allen Notausgängen, ergänzt um regelmäßige Kurz-Audits
  • Einheitliche Markierungslogik für Fußwege, Fahrwege und Sperrflächen
  • Unterweisung für Mitarbeitende und Fremdfirmen mit Zonenplan und Sammelstelle

Ergebnis: weniger Beinaheunfälle an Querungen, deutlich bessere Ordnung an Notausgängen und schnellere Orientierung bei Übungen – ohne den Materialfluss nennenswert zu verlangsamen.

FAQ: Häufige Fragen rund ums Planen von Fluchtwegen in Hallen

Wie oft sollte man Fluchtwege in der Halle überprüfen?

In der Praxis hat sich eine Kombination bewährt: regelmäßige Kurzchecks (z. B. wöchentlich) plus umfassendere Begehungen (z. B. monatlich/vierteljährlich) sowie eine Prüfung nach jeder Layoutänderung. Entscheidend ist, dass Abweichungen dokumentiert und konsequent abgestellt werden.

Reicht Bodenmarkierung aus, oder braucht man Schilder?

Meist braucht es beides. Bodenmarkierungen sind in Hallen extrem wirksam, können aber durch Ware, Fahrzeuge oder Verschmutzung verdeckt werden. Rettungszeichen an Wand/Decke und eine passende Notbeleuchtung sorgen für Redundanz – besonders bei Rauch und Stromausfall.

Was ist bei Fremdfirmen besonders wichtig?

Fremdfirmen sind häufig ortsunkundig. Stellen Sie sicher, dass Einweisung, Lageplan, Sammelstelle und Alarmregeln klar sind. Sinnvoll sind piktogrammbasierte Aushänge am Zugang sowie eine kurze Unterweisung vor Arbeitsbeginn.

Wie verhindert man, dass Notausgänge im Alltag zugestellt werden?

Eine Mischung aus Design (Sperrflächen, physische Barrieren), Prozess (Kontrollen, Verantwortliche, Eskalation) und Kultur (Null-Toleranz gegenüber Blockaden). Wenn Flächen knapp sind, ist oft eine logistische Neuordnung nötig – sonst verlagert sich das Problem nur.

Fazit: Mehr Sicherheit durch durchdachte Wegeführung – und weniger Reibung im Betrieb

Wer Fluchtwege in Hallen planen möchte, sollte die Aufgabe als Gesamtsystem betrachten: Wegeführung, Türen, Kennzeichnung, Beleuchtung, Rauchthemen und Organisation greifen ineinander. Besonders in dynamischen Hallen – Logistik, Produktion, Mischbetrieb – zahlt sich eine klare Struktur mit Zonen, redundanten Routen und konsequentem Freihalten aus. So erfüllen Sie nicht nur Anforderungen in Deutschland und Österreich, sondern schaffen eine Umgebung, in der Menschen im Ernstfall ohne Zögern den richtigen Weg finden.

Merksatz: Gute Fluchtwege funktionieren nicht nur auf dem Plan, sondern auch am Montagmorgen im Hochbetrieb.

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