Schnäppchen mit Risiko? So gelingt der Immobilienkauf bei Versteigerungen
Eine Immobilie aus Versteigerung kaufen klingt nach dem perfekten Weg zum Schnäppchen: weniger Konkurrenz als am freien Markt, klare Regeln und mit etwas Glück ein Preis deutlich unter Verkehrswert. Gleichzeitig lauern Risiken – von fehlenden Besichtigungsmöglichkeiten über unbekannte Mängel bis hin zu Räumungs- und Finanzierungsthemen. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie in Deutschland und Österreich strukturiert vorgehen, Chancen realistisch bewerten und typische Fehler vermeiden – damit aus dem vermeintlichen Deal kein teures Abenteuer wird.

Schnäppchen mit Risiko? Warum Versteigerungen so reizvoll sind

Der Markt für Wohn- und Anlageimmobilien ist in vielen Regionen in Deutschland und Österreich angespannt: gute Lagen, begrenztes Angebot, steigende Baukosten und hohe Nachfrage. Kein Wunder, dass immer mehr Kaufinteressierte alternative Wege prüfen – etwa den Erwerb über Versteigerungen. Die Idee: Wenn Eigentümer ihre Kredite nicht mehr bedienen können oder es Streit in Erbengemeinschaften gibt, landet das Objekt (häufig) in einem geregelten Verfahren, bei dem am Ende der Höchstbietende den Zuschlag erhält.

Das kann Vorteile bringen: Transparenz im Ablauf, oftmals ein Einstiegspreis unter Marktgefühl und die Chance, schneller zum Eigentum zu kommen. Doch der Reiz des „Schnäppchens“ ist zugleich die größte Falle: Wer emotional bietet, ohne Kosten und Risiken korrekt einzupreisen, zahlt am Ende mehr als am freien Markt – oder kauft sich Probleme ein, die erst nach dem Zuschlag sichtbar werden.

Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, wie Sie eine Immobilie über eine Versteigerung seriös prüfen, finanzieren und erwerben. Dabei unterscheiden wir klar zwischen den Rahmenbedingungen in Deutschland (Zwangsversteigerung beim Amtsgericht) und Österreich (Exekutionsverfahren bzw. Versteigerung über das Bezirksgericht) und zeigen, was für Käufer aus beiden Ländern in der Praxis wirklich zählt.

Welche Arten von Versteigerungen gibt es?

Bevor Sie sich in Termine und Gutachten stürzen, lohnt sich ein Blick auf die Versteigerungsarten. Nicht jede „Auktion“ folgt denselben Regeln – und nicht jede bietet denselben Rechtsschutz.

Zwangsversteigerung (Deutschland)

In Deutschland findet die klassische Versteigerung von Immobilien meist als Zwangsversteigerung statt. Sie wird in der Regel von Gläubigern (z. B. Bank) beantragt, wenn Forderungen gegen den Eigentümer offen sind. Organisiert wird sie durch das Amtsgericht. Wesentliche Informationsquellen sind das gerichtliche Gutachten (Verkehrswertgutachten), der Versteigerungstermin und die öffentlichen Bekanntmachungen.

Versteigerung/Exekution (Österreich)

In Österreich läuft der Erwerb häufig über eine gerichtliche Versteigerung im Rahmen der Exekution. Zuständig ist meist das Bezirksgericht. Es gibt ebenfalls ein Gutachten bzw. eine Schätzung, eine Ediktsdatei-Veröffentlichung und feste Bietregeln. Auch hier gilt: Der Prozess ist formalisiert – aber nicht automatisch „sicher“.

Freiwillige Auktionen & Online-Versteigerungen

Neben gerichtlichen Verfahren existieren freiwillige Immobilienauktionen (z. B. über Auktionshäuser, teilweise auch online). Diese können seriös sein, folgen jedoch anderen Spielregeln: Vertragliche Bedingungen, Rücktrittsrechte, Provisionen und Fristen unterscheiden sich teils deutlich. Prüfen Sie daher:

  • Wer ist der Veranstalter und welche Erfahrung/Referenzen liegen vor?
  • Welche Kosten (Aufgeld, Provision, Gebühren) kommen zusätzlich?
  • Welche Unterlagen werden bereitgestellt (Gutachten, Grundbuchauszug, Energieausweis)?

Für wen lohnt es sich, eine Immobilie ersteigern zu wollen?

Eine Immobilie in einer Versteigerung zu erwerben passt nicht zu jedem. Am besten geeignet ist dieses Vorgehen für Käufer, die strukturiert, zahlenorientiert und geduldig sind.

Typische Käuferprofile

  • Eigennutzer, die flexibel beim Einzug sind und Renovierungen einkalkulieren können.
  • Kapitalanleger, die Rendite, Bewirtschaftung und Risiko sauber rechnen.
  • Handwerker/Projektentwickler, die Mängel realistisch bewerten und beheben können.
  • Erfahrene Käufer, die bereits Finanzierung, Notar/Grundbuch und Nebenkosten kennen.

Wann ist Vorsicht angesagt?

Wenn Sie eine Immobilie „unter Zeitdruck“ brauchen (z. B. Umzug in wenigen Wochen), wenn Ihre Finanzierung knapp kalkuliert ist oder wenn Sie auf eine vollständige Besichtigung angewiesen sind, ist das Versteigerungsmodell häufig ungeeignet. Ebenso kritisch: Wenn Sie sich beim Bieten leicht emotionalisieren oder „gewinnen“ wollen.

Immobilie aus Versteigerung kaufen: Der Ablauf in der Praxis

Wer eine Immobilie aus Versteigerung kaufen möchte, sollte den Prozess wie ein Projekt behandeln. Das Ziel ist nicht, „irgendwie“ den Zuschlag zu bekommen, sondern zu einem Preis zu kaufen, der nach Risiko- und Kostenaufschlägen noch sinnvoll ist.

1) Objekte finden: Wo werden Termine veröffentlicht?

In Deutschland sind Versteigerungstermine u. a. über gerichtliche Veröffentlichungen und spezialisierte Portale auffindbar. In Österreich dient oft die Ediktsdatei als zentrale Quelle für gerichtliche Bekanntmachungen. Zusätzlich helfen regionale Aushänge/Amtsblätter und private Datenbanken.

Praxis-Tipp: Legen Sie sich Suchfilter nach PLZ/Bezirk, Objektart, Verkehrswert und Terminfenster an. Versteigerungen sind termingetrieben – wer zu spät beginnt, kann Finanzierung und Prüfung nicht mehr rechtzeitig organisieren.

2) Unterlagen sichern: Gutachten, Grundbuch, Lage, Rechte

Das gerichtliche Gutachten ist meist das Herzstück Ihrer Analyse – aber es ist nicht unfehlbar und oft nicht brandaktuell. Achten Sie insbesondere auf:

  • Stichtag der Wertermittlung (kann Monate/Jahre zurückliegen)
  • Baujahr, Modernisierungen, energetischer Zustand
  • Baulasten/Servituten (z. B. Wegerecht), Dienstbarkeiten
  • Wohn-/Nutzflächen und deren Plausibilität
  • Vermietung/Benutzungsrechte (Mietverhältnisse, Nutzungsrechte)

Zusätzlich ist das Grundbuch (bzw. Grundbuchauszug) entscheidend. Wichtig sind Eintragungen, die nach Zuschlag bestehen bleiben können (z. B. bestimmte Dienstbarkeiten). Wer hier nicht sauber prüft, kauft ggf. Einschränkungen mit, die den Wert dauerhaft mindern.

3) Besichtigung: Möglich, eingeschränkt oder gar nicht?

Ein häufiger Irrtum: Viele glauben, man könne immer besichtigen. In der Realität ist eine Innenbesichtigung nicht garantiert – insbesondere, wenn der Eigentümer oder Nutzer nicht kooperiert. Dann bleibt oft nur eine Außenbesichtigung und die Auswertung von Fotos/Plänen aus dem Gutachten.

Wenn keine Innenbesichtigung möglich ist, müssen Sie mit Risikopuffern kalkulieren (Sanierung, Feuchtigkeit, Elektrik, Heizung, Altlasten). In Deutschland wie Österreich gilt: „Gekauft wie gesehen“ ist bei Versteigerungen sinngemäß oft Realität – Gewährleistung wie beim klassischen Kaufvertrag gibt es typischerweise nicht in gleicher Form.

4) Finanzierung vorbereiten: Timing ist alles

Der Zuschlag im Termin ist schnell – die Finanzierung muss vorher stehen. Viele Banken finanzieren Versteigerungsobjekte, aber mit besonderen Anforderungen:

  • Eigenkapital für Nebenkosten und Sicherheitspuffer
  • Unterlagen: Gutachten, Objektbeschreibung, Lageanalyse
  • Liquiditätsnachweis für Sicherheitsleistung
  • Konservativer Beleihungswert (oft unter Ihrem „Schnäppchenpreis“)

Planen Sie außerdem ein, dass Sie kurzfristig handlungsfähig sein müssen. Im Zweifel ist eine Finanzierungszusage oder ein belastbarer Vorab-Check wichtiger als der perfekte Zinssatz.

5) Sicherheitsleistung/Kaution: Ohne geht es nicht

Bei gerichtlichen Versteigerungen ist häufig eine Sicherheitsleistung erforderlich, um überhaupt mitbieten zu dürfen. Die genauen Regeln variieren je nach Land und Verfahren. Klären Sie frühzeitig:

  • Höhe der Sicherheit (oft prozentual am Verkehrswert orientiert)
  • Zulässige Formen (z. B. Überweisung, bestätigte Schecks, Bankbürgschaft)
  • Fristen und praktische Abwicklung (Banklaufzeiten!)

Fehler, die immer wieder passieren: Sicherheit zu spät organisiert, falsche Form, falscher Betrag. Ergebnis: Sie können nicht bieten.

6) Der Versteigerungstermin: Strategie statt Adrenalin

Der Termin selbst folgt festen Regeln. Es gibt Aufruf, Bekanntgabe der Bedingungen, Bietstunde(n) und am Ende den Zuschlag (oder eben nicht). Ihre Aufgabe: ruhig bleiben und Ihren Maximalpreis einhalten.

Eine bewährte Vorgehensweise:

  • Legen Sie einen harten Maximalpreis fest (inkl. Nebenkosten, Puffer, Sanierung).
  • Definieren Sie Zwischenschritte (z. B. in 1.000-/5.000-Euro-Schritten), um nicht getrieben zu werden.
  • Beobachten Sie die Dynamik: Manche Bieter testen früh, andere steigen spät ein.
  • Vermeiden Sie „Bieterduelle“ – das ist der schnellste Weg, Ihr Kalkül zu sprengen.

7) Zuschlag, Zahlung, Eigentumsübergang

Mit Zuschlag sind Sie grundsätzlich verpflichtet, zu zahlen. Der Eigentumsübergang und die Eintragung im Grundbuch folgen dem jeweiligen rechtlichen Ablauf. Beachten Sie, dass zwischen Zuschlag und tatsächlicher Nutzbarkeit (z. B. Übergabe/Einzug) Zeit vergehen kann – insbesondere, wenn die Immobilie noch bewohnt ist.

Kosten richtig kalkulieren: Was kommt zum Kaufpreis dazu?

Das größte Risiko beim Versteigerungskauf ist eine zu knappe Kalkulation. Viele rechnen nur den Zuschlagpreis – und wundern sich später über Nebenkosten und Folgekosten. Besser: Rechnen Sie in zwei Blöcken.

Block A: Erwerbsnebenkosten

  • Grunderwerbsteuer (Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich; Österreich je nach Gestaltung/Regelung)
  • Grundbuch-/Eintragungsgebühren (insbesondere in Österreich relevant und gut planbar)
  • Gerichts-/Verfahrenskosten (je nach Fall)
  • Finanzierungskosten (Bereitstellung, Schätzung, Kontoführung etc.)

Hinweis: Bei Zwangsversteigerungen können einige Kosten anders gelagert sein als beim Notar-Kaufvertrag. Dennoch gilt: Nebenkosten sind real und müssen liquide verfügbar sein.

Block B: Objektbezogene Folgekosten

  • Sanierung/Renovierung (Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Elektrik)
  • Räumung/Entrümpelung (wenn nötig, inkl. Container, Handwerker)
  • Hausgeld/WEG-Themen bei Eigentumswohnungen (Rücklagen, Sonderumlagen)
  • Versicherungen (Gebäudeversicherung, Haftpflicht)
  • Leerstandskosten (Finanzierung + Betriebskosten ohne Mieteinnahmen)

Praktische Faustregel für Ihren Maximalpreis

Setzen Sie Ihren Maximalpreis nicht am Verkehrswert an, sondern leiten Sie ihn aus einem Zielwert ab:

  • Zielwert am freien Markt (realistische Vergleichspreise)
  • minus Risikopuffer (fehlende Besichtigung, unklare Mängel)
  • minus Sanierungsbudget (mit Sicherheitsreserve)
  • minus Nebenkosten (Steuern, Gebühren, Finanzierung)

Nur wenn der so berechnete Maximalpreis sinnvoll ist, lohnt es sich, ernsthaft mitzusteigern.

Rechtliche Stolpersteine: Nutzungsrechte, Mieter, Lasten

Rechtliche Details entscheiden oft darüber, ob ein Versteigerungskauf ein Erfolg wird. Besonders relevant sind bestehende Nutzungsverhältnisse und Rechte Dritter.

Bewohnt, vermietet oder leer? Der Status macht den Unterschied

  • Leerstehend: meist am einfachsten, dennoch Zustand prüfen.
  • Vermietet: Mietverträge können fortbestehen; Rendite kann gut sein, Flexibilität sinkt.
  • Eigentümer/Nutzer wohnt selbst: nach Zuschlag kann Räumung ein Thema werden – zeitlich und emotional belastend.

Wichtig: Eine „schnelle Eigenbedarfslösung“ ist nicht garantiert. Planen Sie Zeit ein und lassen Sie sich im Zweifel rechtlich beraten, bevor Sie bieten.

Welche Rechte bleiben bestehen?

Je nach Rang im Grundbuch können bestimmte Rechte bestehen bleiben (z. B. Dienstbarkeiten, Wohnrechte, Wegerechte). Solche Eintragungen können:

  • den Marktwert reduzieren,
  • die Nutzung einschränken,
  • oder sogar eine Vermietung/Umgestaltung erschweren.

Gerade in ländlichen Regionen in Deutschland und Österreich sind Wegerechte und Leitungsrechte keine Seltenheit. Prüfen Sie, ob diese wirtschaftlich relevant sind.

WEG bei Eigentumswohnungen: Rücklagen & Sonderumlagen

Wer eine Wohnung ersteigert, kauft oft in eine Eigentümergemeinschaft hinein. Prüfen Sie (soweit verfügbar): Protokolle, Instandhaltungsrücklage, geplante Sanierungen. Eine große Sonderumlage kann Ihr „Schnäppchen“ schnell in ein Minusgeschäft verwandeln.

Technische Prüfung: So erkennen Sie typische Problemzonen

Ohne verlässliche Besichtigung müssen Sie Indizien lesen lernen. Selbst mit Besichtigung sollten Sie strukturiert prüfen – idealerweise mit einem Bausachverständigen oder erfahrenen Handwerker.

Checkliste: Häufige Mängel bei Versteigerungsobjekten

  • Feuchtigkeit/Schimmel (Keller, Bad, Außenwände)
  • Dach: Undichtigkeiten, Dämmung, Zustand der Eindeckung
  • Elektrik: veraltete Leitungen, fehlende FI-Schalter, Improvisationen
  • Heizung: Alter, Effizienz, Wartungsstau, Austauschpflichten je nach Rechtslage
  • Fenster: Dichtungen, Wärmeschutz, Beschläge
  • Altlasten: Öl-Tanks, kontaminierte Böden (selten, aber teuer)

Energie & Sanierung: Rechnen statt raten

In Deutschland und Österreich spielen Energieeffizienz und Sanierungskosten eine zunehmende Rolle: Heizsysteme, Dämmung, Fördermöglichkeiten. Auch wenn Sie Förderungen einplanen: Kalkulieren Sie konservativ und prüfen Sie, ob die Immobilie förderfähig ist und welche Fristen gelten.

Bietstrategie: Psychologie, Taktik und harte Grenzen

Viele verlieren Geld nicht wegen der Immobilie, sondern wegen der eigenen Emotionen im Termin. Eine gute Strategie ist daher weniger „Trick“ als Disziplin.

Maximalpreis festlegen (mit Sicherheitsmarge)

Notieren Sie Ihren Maximalpreis schriftlich. Rechnen Sie mit einer Sicherheitsmarge, wenn:

  • keine Innenbesichtigung möglich war,
  • das Gutachten alt ist,
  • Fotos/Unterlagen lückenhaft sind,
  • Bewohnung/Räumung unklar ist.

Inkremente planen

Statt spontan zu bieten, definieren Sie Ihre Schritte. Beispiel: bis 200.000 € in 2.000er-Schritten, darüber in 5.000er-Schritten. Das reduziert das Risiko, in ein Bietgefecht zu geraten.

Wann lohnt es sich auszusteigen?

Immer dann, wenn Ihr Preis erreicht ist – auch wenn es „nur noch ein bisschen“ wäre. Die letzten Prozent sind oft die teuersten. Wer eine Immobilie aus Versteigerung kaufen will, muss akzeptieren: Nicht jeder Termin endet mit einem Kauf. Geduld ist Teil der Rendite.

Nach dem Zuschlag: Übergabe, Räumung, Versicherung, erste Schritte

Der Zuschlag ist ein Meilenstein – aber nicht das Ende. Nun beginnt die Phase, in der Sie das Objekt wirtschaftlich und organisatorisch in den Griff bekommen.

Objekt sichern & versichern

Klären Sie schnell, ab wann welche Versicherung greift und wer aktuell welche Pflichten hat. Bei leerstehenden Objekten sind Themen wie Wasserschäden, Einbruch, Frost besonders relevant. Organisieren Sie:

  • Schlösser/Schließanlage (wenn rechtlich möglich)
  • Zwischenablesung von Zählern
  • Gebäudeversicherung und ggf. Baustellenversicherung

Kommunikation mit Nutzern/Mietern

Falls die Immobilie bewohnt ist: Kommunizieren Sie sachlich, schriftlich und respektvoll. Häufig lassen sich Lösungen finden (Auszug gegen Frist, Unterstützung bei Umzug, klare Absprachen). Eskalation kostet Zeit und Geld.

Sanierungsplan erstellen

Erstellen Sie einen Plan mit Prioritäten:

  • Sicherheit & Substanz (Dach, Elektrik, Feuchtigkeit)
  • Funktion (Heizung, Sanitär, Fenster)
  • Optik (Böden, Malerarbeiten)

So vermeiden Sie, dass Budget in „schöne“ Maßnahmen fließt, während kritische Themen liegen bleiben.

Deutschland vs. Österreich: Wichtige Unterschiede für Käufer

Viele Prinzipien sind ähnlich, doch die Details unterscheiden sich. Gerade Grenzregionen (z. B. Bayern/Salzburg oder Baden-Württemberg/Vorarlberg) sind für Kaufinteressierte interessant – umso wichtiger ist ein klarer Blick auf die jeweiligen Rahmenbedingungen.

Informationsquellen und Transparenz

  • Deutschland: Fokus auf Amtsgerichtstermine, Gutachten, Bekanntmachungen.
  • Österreich: Ediktsdatei als wichtige Quelle, Verfahren über Bezirksgerichte.

In beiden Ländern gilt: Je besser Ihre Unterlagenlage, desto geringer Ihr Risikoaufschlag – und desto höher Ihre Chance, rational zu bieten.

Nebenkosten-Logik

Die Nebenkosten unterscheiden sich in Struktur und Höhe. Käufer in Deutschland achten oft besonders auf die bundeslandspezifische Grunderwerbsteuer, während in Österreich Eintragungs- und Abgabenlogik sowie konkrete Gebührenpositionen oft stärker im Fokus stehen. Planen Sie deshalb landesspezifisch und lassen Sie sich bei Unsicherheiten beraten.

Praxis: Finanzierung und Bankprozesse

Banken bewerten Versteigerungsobjekte häufig konservativ – in beiden Ländern. Rechnen Sie mit:

  • mehr Rückfragen,
  • konservativerer Beleihung,
  • und strengerem Blick auf Zustand und Vermietbarkeit.

Häufige Fehler beim Kauf über Versteigerung (und wie Sie sie vermeiden)

Viele Fehler lassen sich mit einem standardisierten Prozess vermeiden. Hier sind die Klassiker:

Fehler 1: Nur auf den Verkehrswert schauen

Der Verkehrswert ist nicht automatisch der Marktwert von heute – und schon gar nicht Ihr „Schnäppchenpreis“. Er ist eine Orientierung. Entscheidend ist Ihre eigene Rechnung mit Sanierung, Risiken und Nebenkosten.

Fehler 2: Keine Reserven für Unvorhergesehenes

Gerade ohne Besichtigung ist eine Reserve Pflicht. Feuchtigkeit, Heizungstausch, Elektro: Das sind nicht „vielleicht“-Kosten, sondern häufige Realitäten.

Fehler 3: Finanzierung erst nach dem Termin planen

Wer erst nach dem Zuschlag zur Bank geht, ist zu spät. Organisieren Sie Zusagen und Liquidität vorher – inklusive Sicherheitsleistung und Nebenkosten.

Fehler 4: Rechtliche Situation unterschätzen

Mietverhältnisse, Wohnrechte, Dienstbarkeiten: Alles kann Ihren Plan kippen. Prüfen Sie die Eintragungen und holen Sie im Zweifel juristischen Rat ein.

Fehler 5: Emotionen im Bietprozess

Das Ziel ist nicht „gewinnen“, sondern gut kaufen. Wer um jeden Preis den Zuschlag will, zahlt den Preis – und zwar im wahrsten Sinne.

Checkliste: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Wenn Sie systematisch vorgehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Immobilie aus einer Versteigerung erfolgreich und risikoarm erwerben.

  • Objekt identifizieren: Lage, Objektart, Termin, Mindestanforderungen
  • Unterlagen prüfen: Gutachten, Grundbuch, Nutzungsstatus, Rechte
  • Marktvergleich: Vergleichspreise, Mieten, Entwicklungsrisiken
  • Sanierungsbudget: grobe Kostenschätzung + Reserve
  • Nebenkosten: Steuern, Gebühren, Finanzierung, Rücklagen (WEG)
  • Finanzierung klären: Bankgespräch, Zusage, Liquidität
  • Sicherheitsleistung: Form, Betrag, Frist
  • Bietstrategie: Maximalpreis schriftlich, Inkremente, Ausstiegskriterien
  • Nach Zuschlag: Versicherung, Sicherung, Übergabe/Räumung, Sanierungsplan

FAQ: Kurz beantwortet

Kann man bei einer Versteigerung wirklich deutlich unter Marktpreis kaufen?

Ja, das ist möglich – vor allem bei Objekten mit Risiken (Zustand, Nutzungsstatus, Rechte). In begehrten Lagen kann der Wettbewerb jedoch hoch sein, sodass der Endpreis nahe am Markt liegt oder ihn sogar übersteigt, wenn Bieter emotional werden.

Ist eine Besichtigung immer möglich?

Nein. Manchmal ist nur eine Außenbesichtigung realistisch. Genau deshalb ist ein Risikopuffer in der Kalkulation so wichtig.

Welche Nebenkosten fallen an?

Das hängt von Land und Verfahren ab, typischerweise aber Steuern/Abgaben, Gebühren und Grundbuchkosten sowie Finanzierungskosten. Zusätzlich kommen oft Sanierungs- und Bewirtschaftungskosten.

Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor?

Eine saubere Rechnung und Disziplin beim Bieten. Wer Zahlen, Rechte und Zustand realistisch bewertet, kann sehr gute Chancen haben.

Fazit: Chance nutzen – aber nur mit System

Eine Immobilie über eine Versteigerung zu erwerben kann in Deutschland und Österreich ein hervorragender Weg sein, um schneller und manchmal günstiger an Eigentum zu kommen. Der Preisvorteil ist jedoch kein Geschenk, sondern eine „Prämie“ dafür, dass Sie Risiken übernehmen: eingeschränkte Besichtigung, rechtliche Komplexität, mögliche Räumung und Sanierungsunsicherheit.

Wenn Sie den Prozess wie ein Projekt behandeln, Unterlagen konsequent prüfen, Finanzierung und Sicherheitsleistung frühzeitig klären und mit einer klaren Bietstrategie auftreten, steigen die Chancen erheblich, dass der Kauf nicht nur spannend, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll wird.

Merksatz: Nicht der Zuschlag macht das Schnäppchen – sondern die Vorbereitung.

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